Fantasy - in Arbeit ...

KryptoPhan

Unsichtbar sein. Haben wir alle uns das nicht wenigstens einmal gewünscht? Sei es, um einer misslichen Lage zu entgehen oder heimlich einem Gespräch lauschen zu können, unerkannt und unbemerkt ...

In meinem neuen Roman nehme ich mir dies zum Thema. Doch was, wenn ich unsichtbar bleibe, wenn mich niemand sieht, egal was ich anstelle? Was muss ich tun, um wieder sichtbar für andere zu werden? Das war meine ursprüngliche Idee. Verpackt in einem Fantasy Roman ergeben sich damit ganz neue Möglichkeiten.

Den Klappentext und eine Rohfassung der Leseprobe gibt es schon jetzt zu lesen.

Klappentext

Kyra, ein Mädchen ohne Vergangenheit, lebt am Hofe des machthungrigen Königs Gordian. An den schrecklichen Brand, der ihre gesamte Familie auslöscht und die Zeit davor fehlt ihr jegliche Erinnerung. Als Kryptologin verschlüsselt und dechiffriert sie geheime Botschaften für den Monarchen. Trotz seiner gefährlichen Launen genießt sie dessen Vertrauen, ist sie doch die Einzige, die die dreizehn Sprachen des Reiches beherrscht und es meisterlich versteht, kryptische Botschaften zu entschlüsseln. Nie stellt sie die Forderungen ihres Herrschers und Mentors infrage, der sie nach dem schrecklichen Unglück als sein Mündel annimmt.
Als sie jedoch die Mitteilung eines verschlüsselten Hilferufs abfängt, in der ein Unbekannter schreibt, unsichtbar zu werden, ist nicht nur ihr Interesse geweckt. Auch der Magier Varjo, die rechte Hand des Königs verlangt zu wissen, wer der Verfasser dieser Nachricht ist. Kyra, fasziniert von dem Namenlosen, verstrickt sich immer tiefer in dessen Geschichte, nicht ahnend wie eng seine und ihre miteinander verbunden sind. Je mehr sie dem Fremden auf die Spur kommt, desto größer läuft sie Gefahr, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Leseprobe

1. Kapitel - Der Tenn des Königs

Emotionslos betrachtete Varjo die lodernden Flammen, die sich östlich der Stadt durch das Viertel fraßen, welches die Färber und Gerber bewohnten. Einer stinkenden Kloake, die einem die Galle nach oben brachte, selbst wenn man sich ein Tuch vor die Nase hielt.

Vom Fenster seines Turmzimmers aus hatte er einen ausgezeichneten Blick auf das Geschehen. Nahe genug, um die lodernden Flammen in dem Himmel aufsteigen zu sehen. Weit genug fort, um damit in Verbindung gebracht zu werden. Mit einem zufriedenen Lächeln löste er sich von dem beeindruckenden Schauspiel und verließ den Raum. Kaum merklich wischte er dabei mit der Hand über den abgegriffenen Türknauf, um ihn mit einem Zauber zu verschließen.

Varjo liebte diesen Teil der Burg. Alt, abgelegen und erfrischend kühl in den Sommermonaten. Im Winter hingegen mied er die Räumlichkeiten, da ein offenes Feuer im Kamin zu gefährlich für seine alchemistischen Experimente war. Hier war er ungestört. Doch jetzt suchte er einen Gesprächspartner – einen besonderen.

Sein Weg führte über eine steinerne Wendeltreppe hinab zu den königlichen Gärten, wo sich die Volieren der Falknerei befanden. Eine Leidenschaft, die er seit vielen Jahren betrieb. Neben zahlreichen Falken, Eulen und gar einem Steinadler, galt sein spezielles Interesse allerdings eher einem Silberfalken, der ihm mehr oder weniger freiwillig zuflog. Der Vogel war außergewöhnlich und das nicht nur wegen seines seltenen Gefieders und seinem betagten Alter – er zählte so viele Lebensjahre wie er Varjo selbst. Nein, ihm konnte er alles anvertrauen in dem Wissen, dass er ihn verstand. Wirklich verstand.

Varjo sah sich verstohlen nach allen Seiten um, bis er sich allein wähnte. Erst dann trat er an den Verschlag heran.

„Ich habe gute Neuigkeiten für dich, mein Freund.“

Der Falke sah ihn aus braunen Augen mit orangegelber Umrandung an, die den Bewegungen Varjos aufmerksam folgten.

„Bald werden wir Unterstützung bei der Lösung unseres Rätsels bekommen. Eine Vollwaise, deren Familie auf tragische Weise bei einem Brand ums Leben kam.“ Er seufzte übertrieben auf. „Das Schicksal wollte es, dass ich rechtzeitig von ihrer unglücklichen Lage erfuhr, um ihr junges Leben zu retten.“

Der Silberfalke breitete seine langen, spitzen Flügel aus, die eine Spannweite von gut achtzig Zentimeter maßen. Elegant landete er auf einem blattlosen Ast, so dass er sich auf Augenhöhe mit Varjo befand.

„Ah, habe ich dein Interesse geweckt, Arkan?“ Ein befriedigtes Lächeln zeigte sich auf seinen Zügen. „Sie versteht sich im Übrigen darauf, kryptische Botschaften zu entschlüsseln. Nur …“ Er legte eine wirkungsvolle Pause ein. „Sie ist noch ein halbes Kind. Wir beide wissen, wie verletzlich Kinderseelen sind, nicht wahr?“

Arkan stieß einen gutturalen Schrei aus und flog angriffslustig gegen die Gitterstäbe. Die leuchtend gelben Zehen, mit den messerscharfen Krallen daran, umfassten diese wie Beute.

„Kein Grund, sich aufzuregen. Im Gegenteil. Du solltest mir dankbar sein, mein Freund, dass ich sie für uns gefunden habe – dass ich sie für unseren König ausfindig gemacht habe. Ich bin sicher, er wird ihre Dienste ebenso zu schätzen wissen. Da schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.“

Er trat von dem Käfig zurück, entnahm der gegenüberliegenden Voliere ein quirliges Hühnerküken und hielt es in der Hand. Der Kopf des Falken wandte sich jagdbereit der Beute zu.

„Hab noch ein wenig Geduld, mein Freund.“ Der Magier spürte das pulsierende kleine Herz des Kükens in seiner Hand, betrachtete die frechen Schnabelattacken mit einem amüsierten Lächeln, bevor er es wieder in den Käfig zurück entließ.

„Stell dir nur vor, welche Möglichkeiten sich uns mit diesem Kind eröffnen ...“ Ein Geräusch ließ ihn kurz innehalten. Alarmiert warf er einen Blick über die Schulter, um sich zu vergewissern, dass sein Zwiegespräch mit Arkan nicht belauscht wurde. „Wer ist da?“ Seine Sinne signalisiertem ihm, dass er nicht allein war. „Zeigt Euch, bevor ich Euch ausfindig mache.“

Ein Junge trat aus dem Schatten hinter der letzten Voliere hervor, dort, wo sich die königlichen Falken befanden.

„Verzeiht mir, mein Tenn. Ich wollte Euch nicht stören.“ Er widmete sich wieder den Vögeln vor ihm, sprach leise auf sie ein.

„Was schleichst du hier herum, Ivor?“ Er hatte den Sohn des königlichen Falkners schon des Öfteren hier herumlungern sehen. Wahrscheinlich faszinierten ihn die Vögel ebenso, wie es sein ehrgeiziger Vater tat. Was mochte der Junge von seiner Unterhaltung mit Arkan mitbekommen haben?

Varjo ärgerte sich darüber, ihn nicht rechtzeitig bemerkt zu haben. Die Vorfreude über die gute Nachricht, das Mädchen gefunden zu haben, hatte ihn unvorsichtig werden lassen.

„Antworte mir gefälligst!“ Seine Stimme durchschnitt die entstandene Stille wie geschliffener Stahl.

Der Junge zuckte verängstigt zusammen. Sein rechter Arm steckte in einem Lederhandschuh, der ihm viel zu groß war und wie er für die Abrichtung mit den Greifvögeln benötigt wurde. Hastig streifte er diesen nun ab. Als er auf Varjo zuging, war sein Gesicht knallrot, seine Worte kaum mehr als ein Flüstern.

„Ich bitte um Verzeihung, königlicher Tenn“, stammelte er. „Ich habe nur versucht, mit den Vögeln meines Vaters ebenso zu sprechen, wie Ihr mit dem Euren.“

Jetzt war Varjo sicher, dass der Junge ihn belauscht hatte. Er musste handeln.

„Dann probiere es doch gleich selber aus.“ Er winkte ihn gönnerhaft zu sich.

„Meint Ihr wirklich?“ Ivor trat von einem Fuß auf den anderen. Die Angst vor dem Tenn war nicht zu übersehen.

„Ich habe dich beobachtet. Du scheinst ein gutes Gespür für die schwierige Arbeit mit den Greifvögeln zu haben. Vielleicht eignest du dich einmal ebenso als königlicher Falkner wie dein Vater.“ Innerlich schrie alles in Varjo auf. Wie konnte es sein, dass er sich von einem Jungen überrumpeln ließ? „Nur zu. Öffne die Tür zu seinem Käfig, aber gib Acht, dass er dir nicht entwischt. Ich bin sicher, er mag dich.“ Ein diabolisches Lächeln huschte für den Bruchteil einer Sekunde über sein Gesicht, bevor er seine Mimik wieder unter Kontrolle hatte.

Ivor setzte dazu an, sich den Handschuh wieder über den Arm zu ziehen, wurde aber von Varjo daran gehindert.

„Den brauchst du nicht. Du willst doch nur mit ihm sprechen, nicht wahr?“

Der Junge runzelte kurz die Stirn, als müsse er erst darüber nachdenken.

„Wenn du dich hingegen nicht traust, bin ich mir nicht sicher, ob du dich überhaupt zum Falkner eignest ...“

„Doch, natürlich. Ich will es versuchen“, entgegnete Ivor schnell. Flehentlich sah er zu ihm auf.

„Na dann …“ Varjo öffnete die Voliere, stieß den Jungen hinein und verschloss sie mit einem Zeitzauber. „Er gehört dir, Arkan. Ich wünsche euch eine angeregte Unterhaltung.“

Dann wandte er sich mit einem boshaften Lächeln ab, begleitet von den Schreien des Jungen, der versuchte, den messerscharfen Schnabelattacken des Falken zu entkommen. Nach zwei Stunden würde sich die Tür wieder von selbst entriegeln und er konnte den Käfig verlassen – vorausgesetzt, dass er lange genug lebte. Varjo würde sich später um ihn kümmern.

Über einen Umweg steuerte er die Bibliothek an. Zu dieser Stunde fanden sich dort kaum Gelehrte ein, um in den Büchern zu studieren. Dennoch ließ er Vorsicht walten. Während er die Gänge durchstreifte, warf er im Vorbeigehen einen flüchtigen Blick auf die Titel der Buchrücken, obwohl er das meiste davon in- und auswendig kannte. Bis auf einen Besucher war der Raum leer. Gut.

„Habt Ihr Neuigkeiten für mich?“, richtete er sein Wort an ihn. Das Gesicht des Mannes lag unter einer Kapuze verborgen, so dass Varjo ihm nicht in die Augen blicken konnte. Er trug Handschuhe aus feinstem Leder. Ein auffallender Siegelring, mit einem glatt geschliffenen Smaragd und dem Emblem einer geheimen Magier Gilde darauf, funkelte am Zeigefinger seiner rechten Hand.

„Ging es nicht etwas unauffälliger?“, zischte Varjo mit Blick auf den Ring. Der Mann zeigte keinerlei Reaktion, scheinbar vertieft in die Lektüre, die vor ihm lag.

„Habt Ihr getan, worum ich Euch gebeten habe?“, fragte Varjo in nur mühsam beherrschtem Tonfall.

Statt einer Antwort streifte der Mann den Ring ab. Noch bevor Varjo danach greifen konnte, ließ er ihn unter dem Buchdeckel verschwinden, der sich als leere Hülle entpuppte und schob ihm diesen zu.

Varjo sog hörbar die Luft ein. Doch als er aufstehen und mit dem Buchdeckel verschwinden wollte, umfasste die Hand des Fremden blitzschnell seinen Arm, um ihn am Fortgehen zu hindern.

„Ich habe meinen Teil der Abmachung erledigt. Wie sieht es mit der Euren aus?“

Varjo zückte mürrisch einen kleinen Lederbeutel und warf ihn dem Mann zu. Die Hand ließ von ihm ab und schnürte stattdessen das Säckchen auf. Gold- und Silbermünzen mit der Prägung des Königs klimperten gegeneinander.

„Ein Bonus?“ Die Stimme klang rau. „Ist Euch das Mädchen so viel Wert?“

„Das Mädchen ist bereits Vergangenheit. Ihr solltet es vergessen. Ich bitte Euch allerdings noch um eine weitere kleine Gefälligkeit, wo Ihr schonmal hier seid. Ein dummer Jungenstreich, der ein unglückliches Ende fand. Beseitigt ihn, bevor unangenehme Fragen auftreten.“

Der Fremde stand in einer fließenden Bewegung auf. Noch immer hielt er sein Gesicht unter der tiefsitzenden Kapuze verborgen.

„Erst ein Mädchen, jetzt ein Junge. Ihr scheint keine Kinder zu mögen.“ Der Stimme war weder Spott noch Anklage zu entnehmen. Eher eine sachliche Feststellung – läge nicht die Kälte darin.

„Ich bezahle Euch nicht dafür Fragen zu stellen.“ Varjo erhob sich ebenfalls.

„Dann räumt Euren Müll künftig selbst weg, Tenn.“ Er schlang den dunklen Mantel fester um seine hochaufgeschossene Gestalt. 

Ein Geruch nach feuchtem Moos und Blätter wehte zu Varjo herüber, woraus er schloss, dass der Unbekannte sich unlängst in den Wäldern aufhielt. Er vermerkte sich diesen Umstand in Gedanken.

„Zählt laut bis hundert, so dass ich Euch hören kann, und denkt nicht einmal daran, mir zu folgen.“ Daraufhin verschwand der Mann zwischen den Gängen der Bücherregale und strebte dem Ausgang zu.

Varjo wusste, dass es zwecklos war, ihm zu folgen. Vorerst. Er hatte seine Antwort. Es gab ihn also noch, den Geheimbund der Magier, die Gilde der Gestrauchelten. Ärgerlich nur, dass er sich jetzt selbst um den kleinen Spion kümmern musste.

Diesmal wachsamer begab er sich erneut zu den Volieren und erschrak. Der Verschlag stand offen. Um seinen Falken brauchte er sich keine Sorgen zu machen, da dieser durch einen Zauber an ihn gebunden war. Aber der Junge war fort.